Vor 10 Jahren hatte die Dotcom Blase ihre maximale Größe erreicht. Was hat man in der Zeit für Leute kennengelernt.
Auf Partys waren plötzlich Aktien ein erlaubtes Thema, vorher elend langweilige 25-jährige Steuerberater wurden von Menschentrauben umringt und wie Popstars behandelt, Post-Teenager in Maßanzügen stellten sich als Geschäftsführer von weltweit agierenden Multimedia Agenturen vor, überall gab es Kaviar Canapes, es floss der Champagner, teure Autos vor der Tür – heute kann man mit Fug und Recht sagen, es war eine Zeit des anstrengungslosen Wohlstandes.
Wenn ich an diese Begegnungen denke, z.B. mit den Leuten von Angelfire oder den Vertriebshoschies von Expedia, junge Männer mit gegelten Frisuren, ihrem Buzzword-Redefluss, ihrem echten Glauben an irrsinnigen Reichtum, da muß ich heute wie damals einfach fett grinsen. Die hatten nichts Sinnvolles anzubieten und wollten Scheiße als Gold verkaufen – und wenn man nicht völlig Hirntod war, konnte man das auch sofort erkennen. Trotzdem haben selbst vernunftbegabte Menschen in der Zeit Aktien von solchen Startups gekauft, weil ihnen 1000% Rendite als etwas ganz natürliches vorkam, wer da nicht Zugriff, war selber schuld.
Nur wenige Monate später waren die teuren Autos verkauft, die Steuerberater wurden zu den Partys nicht mehr eingeladen („Wegen dem Arsch hab ich mein ganzes Geld verloren!“) und es gab auf Partys wieder Nudelsalat und Dosenbier. Eine Menge Leute in meinem erweiterten Bekanntenkreis hatten ihre gesamten Ersparnisse verloren.
Diese Zeit war ein heller Blitz, ein Moment in der Geschichte, in der man den Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär in nur 30 Tagen!“ leben konnte. Ein Leben wie ein Lottogewinn!
Aber wie beim Lotto gewinnen immer nur ganz wenige und dafür bezahlen müssen ganz viele und gaaanz lange.
